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Radreparatur

Albert hatte sich eine Erkältung geholt und deshalb angeboten, am Zelt zu bleiben. Also habe ich mir sein Rad (das mit den 5 Gängen) genommen und bin mit Thomas nach Füssen gefahren. Dort begann eine Odyssee.
Der erste Händler war recht freundlich, hatte aber keine passenden Ersatzteile. Er gab uns aber den Tip, dass in Hopfen am See (ca. 10 km entfernt) ein weiterer Fahrradhändler wäre. Zur Not gäbe es noch einen Zweiten hier in Füssen, von dem hat er aber abgeraten, weil er eher Motorradteile hätte. Da der aber näher war als der andere, sind wir zunächst zu dem gefahren - ein wirkliches Erlebnis. Wie prophezeit, hatte dieser Händler die Teile auch nicht, aber er bot an, sie zu bestellen. In zwei oder drei Tagen wären sie schon da! Wir versuchten, ihm freundlich zu erklären, dass wir uns unterwegs auf einer Radtour befänden, und deshalb so lange nicht warten könnten. Abschließend wollten wir uns noch vergewissern, ob die Information mit dem nächsten Händler in Hopfen am See richtig war. Da wurde der Kaschber richtig pampig, er sagte mehr oder weniger wörtlich: "In jeb'm Ort der Welt gibt's än Fahrradhändler!". Auf eine immer noch freundliche Nachfrage, ob das "ja" oder "nein" bedeute, hat er nur obigen Satz noch einmal wiederholt und uns 'rausgeworfen!
Was soll ich erzählen, in Hopfen am See gab es natürlich keinen Fahrradhändler! Aber 5 km weiter im nächsten Ort gab es einen, eigentlich eher eine Tankstelle, bei der auch Fahrräder verkauft wurden. Der gab sich zwar Mühe, und probierte seine ganze Ersatzteilkollektion durch, hatte aber auch nicht das Passende. Dafür war bei ihm die Frage erlaubt, wo man denn solche Ersatzteile bekommen könnte. Er meinte, der nächste größere Hercules-Händler sei in Kaufbeuren (knapp 40 km entfernt). Er gab uns auch gleich die Telefonnummer, damit wir zunächst einmal telefonisch nachfragen konnten. Telefonieren - dabei fiel uns ein, dass Albert
natürlich dachte, wir kommen in spätestens 1-2 Stunden wieder zurück! Also haben wir erst mal beim Campingplatz angerufen, und gebeten, dass man dem Albert Bescheid sagen möchte, dass es wohl mehr oder weniger den ganzen Tag dauern würde, bis wir wieder zurückkämen.
So, und nun der Anruf beim Radhändler. Ich fragte nach, ob für die Sachs- Trommelbremsnaben die Sperrklinken vorrätig wären. Die nette Stimme an der anderen Seite sagte, alle Sachs Ersatzteile wären vorrätig. Sie gab allerdings gleich eine telefonische Ferndiagnose, die etwa so lautete: "Die Sperrklinken sind sicher nicht kaputt, aber kommen Sie nur her". Ich wies noch darauf hin, dass ich extra 40 km mit dem Fahrrad anreisen müsste, und ich mich deshalb nicht nur einfach ärgern würde, falls sie keine Sperrklinken da hätten. Die Fahrt mit dem 5-Gang-Rad durch das hügelige Allgäu war für mich Moutainbikeverwöhnten gar nicht so einfach. Thomas bemerkte immer wieder "Du hockst auf'm Rad wie der Aff' auf'm Schleifstee". In Kaufbeuren angekommen, haben wir unser Rad der Chefin (mit ihr hatte ich auch telefoniert) gezeigt. Ihr erster Ausruf: "Ja, da sin' ja die Sperrklinken kaputt!". Ich sagte, dass ich ihr dies doch wohl am Telefon eindeutig so beschrieben hatte, und bat - Schlimmes ahnend - um die Reparatur. "Ja, die Sperrklinken, die ham mer net da!". Oh, da sind mir einige Worte eingefallen, die ich jetzt lieber nicht wiedergeben möchte! Das hat anscheinend beeindruckt, denn sie bot an, die Klinken aus einem Ausstellungsrad herauszubauen und in mein Rad zu transplantieren. Ihr Glück! Nach einem ausgiebigen Stadtbummel mit Mittagessen in Kaufbeuren konnten wir unser Rad abholen und endlich wieder zum Campingplatz zurückfahren (50 km), wo wir von Albert schon erwartet wurden.
Naja, später hab' ich das Rad dann dem Joe verkauft und mir ein Gescheites besorgt. Joe hat es bis heute noch in Betrieb und viel Freude damit gehabt. um

Nun folgt der Höhepunkt der Tour